Wie Wissenschaft entstand

Die Irrglauben der AntikeAristotels

Die antiken Kulturen glaubten, dass die Erde eine Scheibe ist oder die Sonne die Gottheit Helios, die mit ihrem Sonnenwagen täglich über das Firmament fährt. Oder sie meinten, dass Blut aus in der Leber verdauter Nahrung erzeugt wird und seine Zirkulation dort ihren Ursprung hat. Alles Irrtümer, die uns aus heutiger Sicht schmunzeln lassen.

In Wirklichkeit legten aber genau jene Völker bereits die Samen für unsere heutige Wissenschaft. Die Sumerer und alten Ägypter bspw. überwanden die Ehrfurcht vor den Himmelsereignissen und lernten die Bewegung der Planeten und Sterne vorherzusagen und zu berechnen.
Die alten Griechen beschritten als erste mit Entschlossenheit den Weg die Naturphänomene ausschließlich durch das eigene Denken zu erklären. Sie griffen nicht mehr auf Gottheiten oder Aberglauben zurück.
PtolemäusDies zeigen die außergewöhnlichen Erfolge eines Eratosthenes mit der Messung des Erdumfangs oder eines Archimedes, als er das Gesetz des Auftriebs entdeckte. Ptolemäus gelang es, obwohl sein Modell des Sonnensystems falsch war, dennoch die Bewegungen der Planeten exakt vorherzusagen.

Diese wissenschaftliche Herangehensweise und die Schärfe des Beobachtens ging in den folgenden Jahrhunderten verloren. Und erst nach dem ersten Jahrtausend unserer Zeitrechnung entdeckten die Philosophen des Mittelalters wieder diese wissenschaftlichen Ideen und befassten sich mit den
Irrtümern des Aristoteles oder mit der – falschen, aber pragmatischen – Herangehensweise der Alchemisten.

Und Forscher begannen von neuem die Natur ausschließlich mit Vernunft und Genauigkeit bei der Beobachtung zu erfassen, ohne Angst, sich zu täuschen.

Alle Erkenntnisse der folgenden Jahrhunderte bereiteten den Boden für die Revolution des Galileo Galilei. Er ist die zentrale Figur am Wendepunkt der Geschichte der Naturwissenschaften.

Die neuzeitliche Wissenschaftgalileo»SW

Galileo war auf verschiedensten Feldern bewandert. Seine bevorzugte
Herangehensweise aber blieb immer das Experiment.

Er begründete das, was wir heute die wissenschaftliche Methode nennen, auf drei großartigen und revolutionären Neuerungen:

  • Die Naturerscheinungen lassen sich vollständig erfassen und messen.
  • Alle Beobachtungen müssen mit größtmöglicher Genauigkeit durchgeführt werden.
  • Das „Buch der Natur“ ist in der Sprache der Mathematik verfasst

Aber Beobachtungen und Messungen alleine bringen uns keinen einzigen Schritt weiter in unserer Erkenntnis. Um daraus logische Schlüsse ziehen zu können, ist eine bestimmte Vorgehensweise entscheidend, eben eine Methode.
Indem sich diese neue wissenschaftliche Methode immer wieder bestätigt, wird ein kollektiver und anhaltender Prozess in Gang gesetzt. Dabei versuchen unzählige Forscher eine immer exaktere und zuverlässigere, eben nicht mehr willkürliche, Vorstellung von der Natur zu bekommen. So entwickelte sich die gesamte moderne Wissenschaft. [1]

Quelle: Balle di Scienza. Storie di errori prima e dopo Galileo, Ausstellung, Pisa, 2014

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Beitrag findet sich anstelle eines Nachwortes in Pumping Physics - Mehr Durchblick mit Physik, BoD/Norderstedt 2015, S. 371

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