Kerzen – uralte Lichtquelle

In der Winter-/Weihnachtszeit haben Kerzen Hochjunktur. Selbst eher unromantische Naturen greifen dann zum Streichholz. Die Kerzenflamme war für die frühen Naturforscher auch die erste, wenn man so will, standardisierte Lichtquelle. Auch die moderne Naturwissenschaft bediente sich bei der Erforschung des Lichts zunächst der Kerze: Das „candela“ cd ist noch heute die SI-Einheit der Basisgröße Lichtstärke. Aber dazu ein andermal.

Hier soll Kerze selbst im Mittelpunkt stehen: Wie wird sie gemacht? Aus was besteht sie?

Wie werden Kerzen hergestellt?

Pressverfahren: Im Pressverfahren wird Paraffin-Pulver mit einer Stempel- oder Strangpresse (Extruder) unter hohem Druck zusammengepresst. So entsteht entweder ein Endlos-Strang, der schließlich maschinell in die gewünschte Kerzenlänge geteilt wird. Zum Einfärben werden die Kerzen anschließend in flüssiges Farbwachs getaucht Dieses Verfahren eignet sich besonders für Altar- oder Stumpenkerzen. Oder eine Stempelpresse ermöglicht eine schnelle Produktion großer Stückzahlen, insbesondere Teelichte und Stumpenkerzen.

Ziehverfahren: Bei diesem Verfahren wird ein langer Docht zwischen zwei Rundlauf-Trommeln immer wieder durch ein heißes Wachsbad gezogen. Bei jedem Durchgang nimmt der Docht eine Schicht Wachs auf. Damit wächst die Kerze Schicht um Schicht. Ist der erforderliche Durchmesser erzielt, gelangt der Strang zur Schneidemaschine und wird auf die jeweils festgelegte Kerzenlänge gekappt. Anschließend werden der Kerzenkopf und –fuß in die gewünschte Form gebracht. Dieses Herstellungsverfahrens wird überwiegend für einfache Haushaltskerzen verwendet.

Gießverfahren: Beim Gießverfahren wird flüssiges Wachs in Formen gegossen, in die bereits ein Docht eingespannt ist. Das Gießverfahren ist besonders beliebt, weil sich ganz unterschiedliche Arten und Mischungen von Wachs problemlos verarbeiten lassen. Außerdem eignet es sich für ausgefallene Kerzenformen, wie beispielsweise Stern- und Figurenkerzen sowie für durchgefärbte Kerzen, die komplett aus farbigen Wachs bestehen.

Wenn die Kerze fertig gepresst, gezogen oder gegossen ist, kann sie auf die verschiedensten Arten "aufgepeppt" werden. Motive, schillernde Farben oder einen edlen, brillanten Glanz durch klare bzw. farbige Lacke. Duftstoffe als Zusatz im Wachs lassen beim Abrennen der Kerzen ein unvergleichliches Aroma verströmen.

Woraus besteht eine Kerze?

Für eine qualitativ hochwertige Kerze benötigt man eine gute Brennmasse und den richtigen Docht. Traditionelle Brennmassen sind Paraffin, Stearin und Bienenwachs. Darüber hinaus werden heute auch gehärtete Öle pflanzlichen oder tierischen Ursprungs – z.B. Palmwachs – eingesetzt. Die Verfügbarkeit, der Preis sowie die Verarbeitbarkeit bei den verschiedenen Herstellungsmethoden der modernen Kerzenproduktion bestimmen letztlich ihren Einsatz. Dabei ist die Reinheit der eingesetzten Rohstoffe das entscheidende Kriterium.

Die Brennmasse

Paraffin wird überwiegend aus dem fossilen Rohstoff Erdöl gewonnen. Aufgrund seiner physikalisch-chemischen Eigenschaft ist Paraffin für alle Kerzen-Herstellungsverfahren geeignet. Hochgereinigte Paraffine besitzen eine sehr gute Brennqualität.

Stearin ist ein festes, kristallines Gemisch verschiedener Fettsäuren, die aus tierischen bzw. pflanzlichen Fetten und Ölen gewonnen werden. Stearinkerzen sind besonders tropffest, da die sich um den brennenden Docht bildenden „Brennteller“ recht trocken bleiben. Zudem ist Stearin härter als die meisten anderen Wachsarten. Dies macht Stearinkerzen allerdings auch bruchempfindlicher. Reine Stearinkerzen können nur im Gießverfahren hergestellt werden.

Bienenwachs ist ein Stoffwechselprodukt der Honigbiene. Das Wachs wird an der Bauchseite der Baubienen ausgeschieden und zum Wabenbau eingesetzt. Die Farbe und den angenehmen Geruch bekommt das Bienenwachs im Laufe der Zeit durch Kontakt mit Honig und Pollen. Naturgemäß steht dieser Rohstoff nur begrenzt zur Verfügung. Bienenwachskerzen benötigen aufgrund ihrer Konsistenz stärkere Dochte als normale Kerzen.

Palmwachs ist die Bezeichnung für eine Reihe unterschiedlicher wachsartiger Produkte, die zumeist aus den Früchten der Ölpalme gewonnen werden. Kerzen aus diesem natürlichen Rohstoff benötigen in Analogie zum Bienenwachs aufgrund ihrer höheren Konsistenz stärkere Dochte.

Der Docht

Von dem richtig ausgewählten Docht hängt das optimale Brennverhalten entscheidend ab. Dochte bestehen überwiegend aus Baumwollgarnen und werden auf speziell dafür entwickelten Maschinen geflochten. Sowohl die Baumwollgarne als auch die geflochtenen Dochte werden zunächst gereinigt und danach chemisch präpariert. Die Präparation verhindert unter anderem, dass der Docht nach dem Auslöschen nachglüht.

Aufgabe des Dochtes ist es, das flüssige Brennmaterial zur Dochtspitze zu transportieren, wo es in der Flamme verbrennt. Wichtig: Der Docht muss auf die jeweilige Kerzenart, den Kerzenrohstoff, die Kerzenform, die Kerzenabmessung und das Kerzenherstellungsverfahren (in Hinsicht auf Saugfähigkeit, Garnart/-stärke, Flechttechnik und chemische Präparation) abgestimmt werden.

Quelle: Gütegemeinschaft Kerzen


Ganz ohne Physik soll der Beitrag aber doch nicht enden. Mit Unbeschwerte Kerzenromantik gibt es dazu eine neue Frage.

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