Leibniz, Mathe und mehr…

2016 ist ein Leibnizjahr. Im November jährt sich bald der Todestag von Gottfried Wilhelm Leibniz zum 300sten Mal, im Juli vor 370 Jahren wurde er geboren.
Für die FAU Erlangen-Nürnberg, die aus der 1622 zur Universität geweihten Akademie in Altdorf (bei Nürnberg) hervorgegangen ist, ist es umso mehr ein Jubiläum: Leibniz immatrikulierte sich dort in 1666, also vor 350 Jahren, zur Promotion in Rechtswissenschaften.
Aus diesem Anlass arrangierte die Mathe-Fachschaft des Leibniz-Gymnasiums in Altdorf eine Ausstellung (bis 18.1.2016) über den Namensgeber der Schule. Sie beschäftigte sich mit dem Leben und Wirken von Gottfried Wilhelm Leibniz, und integrierte die Wanderausstellung „Mathematik zum Anfassen“ des Mathematikums in Gießen. Mit einem Mitmach-Konzept und vielen interaktiven Exponaten wandte man sich sowohl an Schüler als auch an Erwachsene.
Auch Pumping-Physics würdigt (S. 48) die Verdienste von Leibniz um die Infinitesimalrechnung. Leibniz ist neben Isaac Newton als ebenbürtiger Begründer der Differenzial- und Integralrechnung anzusehen. Heute wird weltweit sogar die von Leibniz entworfene Schreibweise verwendet, das bekannte: dy/dx.


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Nachbau Leibniz' Rechenmaschine (Mathematikum Gießen)

Ein Aspekt der sogenannten wissenschaftlichen Revolution, die im 16. und 17. Jh. das Denken nachhaltig veränderte, war die Wertschätzung der Mathematik. René Descartes („cogito ergo sum“) und andere hatten die Mathematik systematisch weiter voran gebracht. Mit diesem gezielten, streng rationalen Vorgehen wurde das moderne Denken der Neuzeit eingeläutet.
In dieser Epoche des Rationalismus wird Gottfried Wilhelm Leibniz 1646 in Leipzig geboren. Seine Kindheit ist von den Wirren des zu Ende gehenden 30-jährigen Krieges bestimmt und Leibniz vielleicht auch deshalb zeitlebens ein unruhiger, wissbegieriger Geist: „Beim Erwachen hatte ich schon so viele Einfälle, dass der Tag nicht ausreichte, um sie niederzuschreiben.“ Er leistet nicht nur auf dem Gebiet der Mathematik Bahnbrechendes, er mischt auf beinahe jedem Feld der damaligen Wissenschaften mit. So gilt Leibniz als der letzte Universalgelehrte seiner Zeit und als einer der bedeutendsten Philosophen des ausgehenden 17. und beginnenden 18. Jahrhunderts. Er war einer der wichtigsten Vordenker der Aufklärung. Einige Lebensdaten:

  • 1652 Vater stirbt, als Leibniz erst 6 Jahre ist
  • >1653 Nikolaischule, Leipzig, bringt sich selbst Gelehrtensprache Latein bei
  • >1661 Studium Philosophie / Mathe in Jena
  • 1664 Mutter stirbt
  • 1666 Immatrikulation in Altdorf zwecks Promotion in Jura
  • 1672 Parisreise, trifft Ludwig XIV
  • 72/73 Tod zweier Gönner (Schönborn) / London, Royal Society: Rechenmaschine, an der er bis kurz von seinem Tod arbeitet
  • 1676 Hofrat und Bibliothekar Johann Friedrich, Herzog von Hannover
  • 1687 Reisen: Süd-D, Wien, Rom, Niederlande / Beginn Arbeit an Welfengeschichte
  • 1698 Tod von Ernst-August v. Hannover » Wirkungsstätte verlagert sich nach Berlin
  • 1700 Gründung Preußische Akademie der Wissenschaften. Leibniz wird 1. Präsident
  • 1711 von Kaiser Karl VI geadelt (Freiherr von Leibniz)
  • 1716 Leibniz stirbt an Gicht in Hannover

Vielen wird Leibniz als unermüdlicher Briefeschreiber bekannt sein. Sein Briefwechsel wird immer noch erforscht und richtete sich an 1100 Adressaten, 40% davon in der Gelehrtensprache Latein. Briefpartner waren u.a.

  • Sophie von der Pfalz, Herzogin u. Kurfürstin von Hannover
  • Zar Peter (der Große) I., Modernisierer Russlands
  • Baruch de Spinoza, Niederländer, Begründer der Religionsphilosophie
  • Isaac Newton: Zig Versuche Leibniz‘, keine wirkliche Reaktion seitens Newtons
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Leibniz' Rechenmaschine, Detail (Mathematikum, Gießen)

Ziele seiner Korrespondenz waren

  • Sammlung Informationen aller Art » Systematischer Aufbau von Wissen („Universalgelehrter“)
  • Mitteilungen eigener Forschungsergebnisse
  • Aufforderung an Briefpartner zu eigenen Forschungen
  • Diskussionsforum: Dialog & Kontroverse
  • Jedoch: keinerlei Amourösen (Damen spielten als „Frauen“ offenbar keine Rolle)

Leibniz‘ Namen findet bis heute zahlreiche Verwendung:

  • Leibniz-Rechenzentrum der Bayrischen Akademie der Wissenschaften
  • Leibniz-Keks
  • Insekten, Krater auf Mars…
  • Berg in Pakistan

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