Erster Weltkrieg - Verdun / Musée de l'Armistice, Compiègne

#1-20160523_114236Als ich diesen Montag rein privat im Musée de l’Armistice, dem Waffenstillstandsmuseum bei Compiègne nahe Paris war, erlebte ich den Ersten Weltkrieg, für die Franzosen ist dies la grande guerre, in einer äußerst bedrückenden Unmittelbarkeit: Es war nicht der ungewöhnliche Rahmen eines zur Unterzeichnung des Waffenstillstandsvertrag am 11. November 1918 extra umgebauten Eisenbahnwaggons; es war auch nicht der abgeschiedene Ort einer einsamen erscheinenden Waldlichtung; auch waren es nicht die ausgestellten Panzer, Haubitzen, sonstige Waffen. Nein, es waren die unzähligen schrecklichen Fotos in den Schaukästen: Sie zeugen weniger von heroischen Taten, sondern zeigen ungefiltert das Unmenschliche, das Verderben, den Tod, den ein Krieg mit sich bringt. Welch eine Vernichtung jungen, hoffnungsvollen Lebens!

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Warum dieses Thema auf Pumping-Physics? Nun, der Weltkrieg 1914-1918 war auch der erste von Technik beherrschte Krieg und so könnte ich auch im gleichen Museum gemachte Fotos von damals moderner Wehrtechnik zeigen, oder den aus den Bildern sprechenden Schrecken junger Männer im Kampf mit (deutschem) Giftgas. Im Bereich der Medizin bewirkte der erste Weltkrieg sogar zahlreiche Innovationen wie in der Operationstechnik, die anschließend auch friedlichen Zwecken dienten.

Nein, man darf sich auch als gerne „neutraler“ Wissenschaftler oder Techniker nicht von der Faszination derartigen „Fortschritts“ blenden lassen. Ort und Darbietung der Exponate erleichtern es einem jedoch, die  nackte, erbarmungslose Unmenschlichkeit eines Krieges zu erkennen.

#6-Merkel-HollandeHeute haben die Bundeskanzlerin Angela Merkel und der französische Präsident Hollande der Kämpfe bei Verdun im Ersten Weltkrieg gedacht. Von Februar bis Dezember 1916 wurde „eine der schrecklichsten Schlachten der Menschheit“ (Merkel) geführt. 300.000 Tote, 400.000 Verletze. Militärisch gilt die Schlacht als ebenso ergebnis- wie sinnlos.

Hollande warnte mit aktuellem Bezug  vor den „Kräften der Spaltung, der Abriegelung, der Abschottung…. Sie denunzieren Europa als Ursache des Übels und vergessen dabei, dass Europa aus dem Unglück geboren wurde".

Niemals sollte ein Volk von sich meinen, mehr Wert zu sein als ein anderes. Dies hat Europa nie gutgetan. Am schlimmsten litt der Kontinent leider unter dem deutschen Nationalwahn – auch wenn Kriege im Namen der Nation keine deutsche Erfindung waren.

Vor dem Eingang zum Musée de l’Armistice hängt noch diese Tafel zur Bedeutung des Ortes:

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Die Nationalsozialisten, wir Deutsche, nutzten also 1940 den gleichen Ort, um uns an unserem Nachbarn zu rächen.

Ich war in Frankreich im Rahmen unserer Städtepartnerschaft, nicht in offizieller Mission (die gibt es auch regelmäßig), nein, privat bei mittlerweile lieben, wertgeschätzten Freuden. Auch wenn es dabei um das Hier und Jetzt geht, ein paar fröhliche Stunden zu erleben, auch wenn längst der Jugendaustausch zwischen deutschen und französischen Kindern im Zentrum steht, schwingt die Vergangenheit doch immer mit. Wir sollten diese hart erarbeitete Freundschaft zwischen Deutschen und Franzosen hegen und pflegen, denn nur das andauernde persönliche Hin und Her unter Menschen verhindert einen Wahnsinn wie diese beiden Weltkriege.

Einen Besuch des Museums, insbesondere mit einer Schulklasse, kann ich nur empfehlen.

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