Merkur - geheimnisvoller Planet

Der Planet Merkur ist sehr klein. Er bedeckt nur 0,04 Promille der Fläche der Sonnenscheibe. Anders als bei einem Transit der Venus vor der Sonne ist vom Schauspiel des Merkur daher ist mit bloßem Auge nichts zu sehen. Vom sonnennächsten Wandelstern Merkur blieb so manches lange Zeit unbekannt:

Er rast in nur 88 Tagen geradezu um die Sonne. Im Mittel zieht er dabei alle 116 Tage ungefähr in der Sichtlinie vor der Sonne vorüber. Zu einem Durchgang kommt es nur, wenn sich Merkur gleichzeitig in der  Ebene der Erdbahn aufhält, was sehr selten ist. Im 21. Jahrhundert kommt ein Merkurtransit nur 14. Mal vor. Das Foto rechts zeigt um ca. viertel nach eins wie sich Merkur vor die Sonnenscheibe schob. Dabei wird der gewaltige Größenunterschied deutlich:: Merkur würde mit seinen knapp 5000 Kilometern Durchmesser 23 Millionen Mal in die Sonnen passen.Merkurtransit»Eintritt-13-21

Diese Konstellation interessierte schon die europäischen Astronomen, sobald sie über Teleskope verfügten: 1631 beobachtete Pierre Gassendi von der Pariser Sternwarte aus erstmals einen Merkurtransit und konnte so die Entfernung zwischen Erde und Sonne abschätzen. Der Mathematiker und Astronom Johannes Kepler hatte diesen Transit korrekt vorausberechnet. Es es also nicht nur ein Schauspiel, für das sich Millionen interessieren. Mit der exakten Vermessung, wie Merkur, genau wie die Venus, vor der Sonne vorüberziehen, lassen sich wichtige Erkenntnisse über das Planetensystem gewinnen. Im 19. Jahrhundert meldeten viele Beobachter sogar seltsame Effekte wie einen hellen Fleck auf Merkur selbst oder einen Lichtsaum um ihn herum.

Und weiter, sogar die moderne Physik des 20. Jahrhunderts konnte an der Bewegung des Merkur verifiziert werden: Berechnet man die Bahnbewegung des Merkur nach Newton klassisch wie für alle anderen Planeten, die Erde eingeschlossen, so stimmt diese nicht exakt mit der beobachteten Bahn überein. Die tatsächliche sogenannte Periheldrehung des Merkur am sonnennächsten Punkt seiner Bahn war um einige Bogensekunden pro Jahrhundert von der berechneten abgewichen. Dies stellte der französischer Mathematiker und Astronom Urbain Le Verrier bereits 1859 fest. Als man die Bahn des Merkur nach der ab 1915 durch Albert Einstein entwickelten Allgemeinen Relativitätstheorie berechnetet, ergab sich genau die Bahn, die man auch im Fernrohr verfolgen konnte. Einer der ersten von vielen "Beweisen" von Einsteins grandioser Interpretation von Gravitation.

Auch diesmal richteten Astronomen des Leibniz-Instituts für Astrophysik Potsdam ein spezielles Teleskop auf den Himmelskörper, um ein Signal seiner "Exosphäre" zu erhaschen. Das Gasgemisch aus Wasserstoff, Natrium und Sauerstoff umhüllt den Planeten und ist kaum nachzuweisen - es sei denn, Merkur zieht wie gestern am 9. Mai an der Sonne vorbei.

Unser eigenes Sonnensystem bleibt somit für Astronomen nach wie vor interessant und Merkur wird sicher sein letztes Geheimnis noch nicht gelüftet haben.

 

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